"Es gibt nicht immer eine geschnitzte Krokodil-Karotte"

Interview mit Anita Glenck, Beraterin, Dozentin, Zentrumsleiterin beim IAP Institut für Angewandte Psychologie













Liebe Anita, du hast Psychologie studiert, langjährige Erfahrung als Laufbahnberaterin, neu eine Leitungsfunktion im Unternehmen, unterrichtest, bist Mutter von zwei kleinen Kindern im Alter von 1 und 4, hast ein Mann, Hobbys, viele Freunde und ein Haushalt.


Wie schaffst du das alles?

Ich habe viel Unterstützung! Von meinen Eltern und Schwiegereltern, die gerne die Kinderbetreuung übernehmen und meinem Mann im Sinne von, dass wir gleichberechtigt das Ganze handhaben. Die Kinder sind zwei Tage in der Krippe, die restlichen Tage können mein Mann, ich und die Grosseltern gut aufteilen.


Wenn man als Frau arbeiten und beruflich etwas erreichen will, ist ein gleichberechtigtes Kinder- und Haushaltmanagement zentral. Der Mann sollte von Geburt an miteingebunden werden, auch wenn es etwas Überwindung kostet, es lohnt sich! Viele Dinge erfolgen so selbstverständlicher, beispielsweise kann er die Kinder genau gleich «gut» wie ich ins Bett bringen.


Wichtig ist es, anderen zu vertrauen. Sowohl bei der Kinderbetreuung als auch bei der Arbeit. Wenn ich alles kontrollieren will und nicht abgeben kann, funktioniert es nicht. Das ist auch für die Kinder eine wertvolle Erfahrung rundherum viel Vertrauen zu erleben.


Vertrauen muss ich aber auch in mich haben – dass ich Dinge stemmen kann, wenngleich Zeit und Energie knapp sind und vieles drängt. Dabei kann nicht alles bis ins letzte Detail erarbeitet oder vorbereitet werden. Da braucht es etwas Gelassenheit und Gewissheit, dass es auch so klappt – oder den Mut einzugestehen, wenn etwas mal nicht, wie gewünscht erzielt wird.


«sich und anderen vertrauen, Unterstützung zulassen im privaten und beruflichen Umfeld & Papa ist auch da»


Es muss nicht alles perfekt sein – sowohl bei der Arbeit als auch zuhause. Das gibt mir die nötige Ruhe und hilft mir, nicht zu viel über etwas zu grübeln, sondern schneller ins Umsetzen zu kommen. So verliere ich wenig Zeit und Energie und kann oft sehr effizient arbeiten. Dies hat sehr viel mit meiner inneren Haltung zu tun – aber auch mit der aktuellen Stimmungslage, die sich leider nicht immer beeinflussen lässt.


In vielen Beratungen erlebe ich, dass die Ansprüche, die man an sich selbst stellt, viel zu hoch sind! Es ist ok, wenn es mal nur aufgewärmte Pasta zum Abendessen oder mal keine geschnitzte Krokodil-Karotte gibt oder die Wäsche länger liegen bleibt. Wenn man viel macht, geht dies gezwungenermassen auf Kosten von etwas anderem - wenn es nicht auf Kosten der Beziehung zu den Kindern gehen soll, dann muss man bereit sein, an anderen Stellen Abstriche machen zu können.


Glücklicherweise bringe ich viel Energie mit und brauche dafür nicht allzu viel Schlaf. Ich bin mir auch bewusst, dass ich viel meinen grossartig schlafenden Kindern zu verdanken habe. Ein wichtiger Energiespender ist zudem mein Hobby – das hilft mir enorm, um aufzutanken.


«Genügend Schlaf, Energie, nicht zu viel Grübeln & nicht perfekt sein wollen»


Was ist dein Hobby, wo du Energie auftanken kannst?

Ich habe ein Pferd und gehe zirka 4-mal pro Woche reiten. Ein zusätzlicher Stressfaktor, manchmal frühmorgens oder spätabends. Aber das ist die Zeit, die ich mir bewusst für mich persönlich rausnehmen muss. Zwei Stunden, in denen ich völlig loslassen und in eine andere Welt eintauchen kann. Was mich vorher gestresst oder genervt hat, bleibt zurück und wird in dem Moment unwichtig. Die fokussierte Arbeit mit dem Pferd hilft mir abzuschalten und den Kopf wieder freizumachen.


«Bewusst Zeit für sich persönlich schaffen, ich bringe niemandem etwas, wenn es mir nicht gut geht»


Wie können Unternehmen besser unterstützten, auch beim Wiedereinstieg?

Eine offene und innovative Unternehmenskultur unterstützt enorm. Allein die Tatsache, dass ich als Mutter von zwei kleinen Kindern als Führungsperson in Frage kam ist nicht selbstverständlich. Denn auch wenn ich aktuell 80-100% arbeite, ist angedacht, dass ich nach dem Übergang in die neue Kultur wieder auf ein 60-70% Pensum zurückgehe. Dank meiner Festanstellung ist der Wiedereinstieg wie automatisch passiert. Ich war permanent in Kontakt, das hilft für den Wiedereinstieg. Auch die Struktur der Selbststeuerung, kommt mir entgegen. Mehr Selbstverantwortung der Mitarbeitenden bedeutet für mich, dass nicht alle Entscheidungen bei mir anstehen und jeder ein bisschen mehr in der Verantwortung ist.

«Führungspositionen in Teilzeit ermöglichen»

Sind flexible Arbeitsmodelle hilfreich?

Ja, flexible Arbeitsmodelle sind sehr hilfreich. Sie erlauben am Nachmittag Zeit für die Kinder zu haben und am Abend weiterarbeiten zu können. Von zu Hause aus arbeiten zu können, heisst aber in meinem Fall aber auch, von zu Hause aus arbeiten zu müssen! Das ist nicht immer nur «lässig», es hat auch sein Schönes, wenn die Arbeit im Büro gelassen werden kann.

Bewusst «Nein» sagen zu können ist manchmal eine Herausforderung, insbesondere wenn vom Arbeitgeber viel Flexibilität und übertragene Selbstverantwortung gegeben ist, fällt es mir beispielsweise schwer, Sitzungen an meinen «Mamitagen» abzulehnen. Das ist noch ein Learning für mich, planen «heute mache ich mal nichts»!


«Flexible Arbeitsmodelle, überhaupt die Möglichkeit Homeoffice machen zu können, hilft»


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